Was passiert, wenn man eine Kreditkarte nicht bezahlt?

Wenn man in der Schweiz seine Kreditkartenrechnung nicht bezahlt, folgen drei Eskalationsstufen. Erst kommen Mahnungen, danach Inkassobüros und ein ZEK-Eintrag, und schlussendlich folgen rechtliche Konsequenzen, welche bis zur Betreibung führen.
Die Kreditkartenabrechnung nicht zu bezahlen ist eine extrem unkluge Idee. Falls irgendwie möglich, nutzen Sie zumindest die Teilzahlungsoption und begleichen Sie den Mindestbetrag.
Nehmen Sie bitte unbedingt mit Ihrem Kreditkartenanbieter Kontakt auf, falls Sie in ernste Zahlungsbedrängnis kommen. Falls Sie bereits in Schulden versinken, melden Sie sich noch heute bei einer Schuldenberatungsstelle.
Inhaltsverzeichnis
Was sind die Eskalationsstufen bei Nichtbezahlung der Kreditkarte?
Die drei Eskalationsstufen bei Nichtbezahlung der Kreditkartenrechnung sind folgende.
- Zahlungserinnerungen und Mahnungen
- Einschaltung eines Inkassobüros und Erfassung eines negativen ZEK-Eintrags
- Rechtliche Schritte wie Betreibungen und Lohnpfändungen
Im schlimmsten Fall führen unbezahlte Schulden zum Privatkonkurs.
Stufe 1: Zahlungserinnerungen und Mahnungen

Wenn eine Kreditkartenrechnung nicht fristgerecht beglichen wird, sendet das Kreditkartenunternehmen dem Karteninhaber eine erste Mahnung. Die erste Mahnung ist oft als freundliche Erinnerung gestaltet und weist auf die überfällige Zahlung hin. Typischerweise wird eine neue Frist gesetzt, innerhalb derer die Zahlung erfolgen sollte. In dieser Phase fallen manchmal schon zusätzliche Gebühren an, in der Regel aber noch nicht.
Ignoriert der Karteninhaber die erste Mahnung und verstreicht die gesetzte Frist ohne Zahlungseingang, folgen weitere Mahnungen. Mit jeder zusätzlichen Mahnung erhöhen sich die zusätzlichen Kosten. Die Kosten bestehen aus Mahngebühren und Verzugszinsen. Die Verzugszinsen sind meistens gleich hoch wie die Zinsen der Teilzahlungsoption und betragen oft den gesetzlich zugelassenen Maximalzinssatz.
Die Höhe der Gebühren und Zinsen variiert je nach Kreditkartenanbieter, kann aber schnell zu einer erheblichen Erhöhung der ursprünglichen Schuld führen. In diesem Stadium ist es für den Karteninhaber entscheidend, Massnahmen zu ergreifen, um ernste finanzielle Belastungen zu vermeiden.
Stufe 2: Inkassounternehmen und ZEK-Eintrag

Bleibt die Schuld trotz mehrfacher Mahnungen bestehen, kann das Kreditkartenunternehmen ein Inkassounternehmen beauftragen, um die ausstehenden Beträge einzufordern. Der Einsatz eines Inkassobüros führt zu weiteren Kosten, die dem Schuldner in Rechnung gestellt werden. Die Kosten setzen sich aus den eigentlichen Inkassogebühren und möglichen zusätzlichen Verzugszinsen zusammen. Inkassounternehmen dürfen auch intensivere Massnahmen zur Schuldeneintreibung ergreifen, wie häufigere Kontaktversuche per Telefon oder Post.
Eine anhaltende Nichtzahlung führt zu einem negativen Eintrag bei Kreditauskunfteien. In der Schweiz ist dies ein Eintrag bei der ZEK (Zentralstelle für Kreditinformation). Ein Eintrag bei der ZEK hat schwerwiegende Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit des Schuldners und macht es schwierig, zukünftig Kredite zu erhalten. Man sollte bedenken, dass unter Kredite nicht nur Privatkredite fallen, sondern auch Hypotheken und Ratenzahlungen. Ein negativer Eintrag bei einer Kreditauskunftei bleibt bis zu 5 Jahre gespeichert und kann auch die Genehmigung für Leasings und Kreditkarten negativ beeinflussen.
Stufe 3: Rechtliche Schritte und Betreibungsverfahren

Wenn alle bisherigen Versuche, die ausstehenden Beträge einzutreiben, scheitern, leitet das Kreditkartenunternehmen rechtliche Schritte ein. Dies umfasst in der Regel das Einreichen einer Klage bei einem Zivilgericht. Der Prozess beginnt mit einer offiziellen Klageerhebung gegen den Schuldner, was zu einem Gerichtsverfahren führt.
Der Schuldner ist gerichtlich zur Zahlung der ausstehenden Beträge zuzüglich der Gerichts- und Anwaltskosten verpflichtet, wenn das Urteil zugunsten des Kreditkartenunternehmens fällt.
Ein Betreibungsverfahren wird eingeleitet, wenn der Schuldner die Forderung nicht erfüllt. Die Betreibung beginnt mit der Ausstellung eines Zahlungsbefehls durch das zuständige Betreibungsamt. Ignoriert der Schuldner den Zahlungsbefehl, hat das zur Folge, dass Massnahmen wie Lohnpfändungen oder die Verwertung von Vermögenswerten ergriffen werden. Im schlimmsten Fall führt die Schuldenspirale zum Privatkonkurs, welcher vom Schuldner beantragt werden muss.
Was sind die Auswirkungen einer Betreibung?
Die Auswirkungen einer Betreibung sind Schwierigkeiten bei Mietverträgen, Finanzierungen und zahlreichen Verträgen. Die Schwierigkeiten entstehen aufgrund des Betreibungsregistereinzugs, selbst wenn die ursprüngliche Schuld der Betreibung bereits beglichen ist. Betreibungsregistereinträge werden 5 Jahre im Register gespeichert, ausser unter besonderen Umständen wie Unrechtmässigkeit oder Löschungsbewilligung durch den Gläubiger. Betreibungen wirken sich extrem negativ auf die Kreditwürdigkeit aus. Falls der Eintrag nicht so gravierend ist, dass Sie keinen Kredit mehr bekommen, führt eine schlechtere Kreditwürdigkeit zu erheblich höheren Zinsen.

Wenn man Kreditkartenschulden bis zur Betreibung nicht bezahlt, sind die totalen Kosten viel höher als zu Beginn. Zusätzlich zum ausstehenden Betrag auf der Karte kommen folgende Kosten hinzu: Mahngebühren, Verzugszinsen, Kosten des Inkassounternehmens, Gerichts- und Anwaltskosten (sowohl die eigenen als auch die des Kartenanbieters) und die Betreibungskosten.
Was tun, wenn man die Kreditkarte nicht bezahlen kann?
Wenn man die Kreditkarte nicht bezahlen kann, sollte man entweder die Teilzahlungsoption nutzen oder sofort die Ausgaben stoppen, sich bei einer Schuldenberatung melden und Kontakt mit dem Kartenherausgeber suchen. Je früher man reagiert, desto besser kann man die Folgen mindern und abfedern.
Wie funktioniert die Teilzahlungsoption?
Die Teilzahlungsoption funktioniert, indem man lediglich einen gewissen Anteil der Abrechnung bezahlen muss und den Rest aufschieben kann. In der Regel verlangen Kartenherausgeber beispielsweise die Rückzahlung von 10% des ausgegebenen Betrags. Wenn Sie die Teilzahlungsoption nutzen, bekommen Sie keine Probleme, solange Sie die vorgegebenen Mindestbeträge begleichen.
Es ist besser, die Rechnung trotz Teilzahlungsoption vollständig zu bezahlen. Der Grund dafür ist, dass auf den ausstehenden Betrag Zinsen anfallen. Die Zinsen sind in der Schweiz normalerweise zwischen 9% und 12% pro Jahr, was sehr viel ist! Sie finden den genauen Zinssatz Ihrer Kreditkarte in den allgemeinen Geschäftsbedingungen unter «Jahreszinssatz».
Wo bekommt man Hilfe bei Kreditkartenschulden?
Bei Kreditkartenschulden in der Schweiz helfen gemeinnützige Schuldenberatungsstellen, Budgetberatungen, Caritas sowie kantonale oder kommunale Fachstellen. Die Hilfestellen unterstützen bei Budgetplanung, Verhandlungen mit Gläubigern, Mahnungen, Inkasso und Betreibungen. Eine gute erste Schuldenberatungsstelle ist die kostenlose, anonyme Telefon-Hotline der Caritas Schuldenberatung: 0800 708 708.
